Lutschtabletten sind ein beliebtes Mittel gegen Halsschmerzen. Doch bei ihren Wirkstoffen gibt es große Unterschiede. Wann Tabletten geeignet sind, erfahren Sie hier. 

Halsschmerzen dauern im Mittel 3 bis 5 Tage – innerhalb dieser Zeit heilen sie von selbst. Lutschtabletten verkürzen die Heilungsdauer nicht, lindern jedoch die Beschwerden während der Erkrankungszeit. Um die schmerzhaften Tage besser zu überstehen, sind verschiedene Lutschtabletten auf dem Markt. Sie wirken je nach Wirkstoff unterschiedlich, etwa keimreduzierend, bakterienhemmend, betäubend oder schmerzlindernd. Auch Kombinationen aus mehreren Substanzen kommen zum Einsatz. Für die Auswahl der Lutschtabletten ist unter anderem entscheidend, ob die Ursache der Halsschmerzen eine virusbedingte Erkältung ist oder ob eine bakterielle Infektion besteht.

Tipp: Lassen Sie bei schweren oder anhaltenden Halsschmerzen einen Arzt diagnostizieren, ob eine virale oder bakterielle Infektion zugrunde liegt. Danach richtet sich die Therapie.

Antibiotika

Gegen bakterielle Entzündungen der Rachenschleimhaut können Lutschtabletten mit dem Antibiotikum Tyrothricin eingesetzt werden. In Deutschland werden sie unter den Handelsnamen Dorithricin® und Lemocin® vertrieben. Gelutscht wirkt das Antibiotikum ausschließlich lokal im Rachenraum. Wird die Tablette verschluckt, inaktiviert die Magensalzsäure den Wirkstoff, sodass dieser nicht vom Körper aufgenommen wird. Laut einer Studie sind lindernde Effekte vor allem bei einem Wirkstoffgehalt von mindestens 4 mg pro Tablette zu erwarten. Bei geringerer Dosierung ist die Wirksamkeit nicht gesichert.

Tipp: Achten Sie auf den Wirkstoffgehalt, wenn Sie auf antibiotikahaltige Lutschtabletten nicht verzichten wollen.

Lokalantiseptika

Antiseptika verringern die Keimzahl. Man unterscheidet antiseptische Lutschtabletten auf der Basis von Ammoniumverbindungen, zum Beispiel Dobendan Strepsils Mint®, von jenen auf Alkohol-Basis, wie neo-angin®. Ihre Wirkung scheint gegen Bakterien besser zu sein als gegen Viren. Als Einschränkung ist generell zu bedenken: Antiseptika wirken nur an der Oberfläche, während sich die Infektion vor allem im tieferen Gewebe abspielt. Der Nutzen antiseptischer Lutschtabletten wird deshalb in Frage gestellt.

Lokalanästhetika

Lokalanästhetika betäuben den Schmerz, indem sie die Natriumkanäle in den Nervenfasern blockieren und so die Weiterleitung des Schmerzreizes unterbinden. Zu den Wirkstoffen zählen Ambroxol (zum Beispiel Mucoangin®), Lidocain (zum Beispiel Trachilid®) und Benzocain (zum Beispiel Lemocin Forte®). Lidocain und Benzocain wird ein erhöhtes Allergiepotential nachgesagt. Ihre Anwendung wird besonders bei Kindern kritisch gesehen. Ambroxol gilt als gut verträglich. Bei einer Dosierung von 20 mg konnte in Studien eine Schmerzlinderung nachgewiesen werden.

Benzydamin

2013 wurde der Wirkstoff Benzydamin aus der Verschreibungspflicht entlassen und ist in Form von Gurgellösungen, Spray oder Lutschtabletten erhältlich, zum Beispiel in Tantum Verde®. Die schmerzlindernde Wirkung von Benzydamin hält etwa 90 Minuten an. Dieser Effekt ist jedoch abzuwiegen gegen die vergleichsweise häufigen Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Bei Überdosierung scheint Benzydamin eine halluzinogene Wirkung zu haben.

Tipp: Wiegen Sie Nutzen und Risiko ab. Möglicherweise gibt es einen sanfteren Weg, die Halsschmerzen zu lindern. Ihre Apotheke bietet pflanzliche Mittel und Arznei-Tees zur Linderung.

Was empfiehlt die ärztliche Leitlinie?

In der Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM-Leitlinie) zum Thema Halsschmerzen heißt es: „Die Anwendung von Lutschtabletten, Gurgellösungen und Rachensprays mit Lokalantiseptika und/der Lokalanästhetika oder Antibiotika wird nicht empfohlen (S. 58).“ Begründet wird dies mit einer nicht ausreichend bewiesenen Wirksamkeit. Ein Nutzennachweis durch randomisierte, kontrollierte Studien fehle, so die Experten. Bei Kindern sei zudem der Alkoholanteil einiger Präparate zu bedenken. Über Risiken und Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit gäbe es keine Erkenntnisse. Lediglich für Ambroxol spricht die Leitlinie eine eingeschränkte Empfehlung aus.

Tipp: Achten Sie auf den Alkoholgehalt. Alkoholische Extrakte sollten bei Kindern unter einem Jahr und alkoholkranken Patienten nicht verwendet werden.

Bei ausgeprägtem Behandlungswunsch empfiehlt die Leitlinie den kurzzeitigen Einsatz systemischer Schmerzmittel, wie Paracetamol oder Ibuprofen. Einzelgaben lindern Halsschmerzen für mehrere Stunden. Die Verträglichkeit beider Substanzen ist bei kurzfristiger Anwendung gut.

Hinweis: Beachten Sie die Anwendungsbeschränkungen bei Schmerzmitteln. Ihr Apotheker berät Sie hierzu persönlich.

Tipps für die Selbsthilfe

Wer die Arzneimitteltherapie unterstützen oder ganz auf Medikamente verzichten möchte, kann es mit Hausmitteln und bestimmten Verhaltensweisen versuchen. Testen Sie aus, was Ihnen hilft. Persönliche Erfahrungen und Vorlieben können und sollen berücksichtigt werden:

  • Trinken Sie viel, um die Rachenschleimhaut zu befeuchten.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen, um die Schleimhaut nicht zusätzlich zu reizen.
  • Gurgeln Sie mit Salzwasser (¼ Teelöffel Salz in einem Glas auflösen) oder Tee mit entzündungshemmenden Kräutern, zum Beispiel Salbei- oder Kamillentee.
  • Legen Sie einen Halswickel an. Eine kühle Anwendung, auch als Quark- oder Zitronenwickel, empfiehlt sich bei akuten Halsschmerzen. Warme Wickel, zum Beispiel als Kartoffel-oder Zwiebelwickel, werden zur Schleimlösung bei länger anhaltenden Halsschmerzen angewendet. Wie Sie Halswickel herstellen, lesen Sie im Beitrag Halswickel.
  • Bevorzugen Sie weiche und breiige Nahrungsmittel wie Suppen oder Kartoffelbrei, um das Schlucken zu erleichtern.
  • Kinder freuen sich über ein Eis, da die Kälte kurzzeitig Schmerzen lindert.

Quellen:

J. Borsch: Wenn der Hals kratzt – Antiseptika, Antibiotika, Lokalanästhethika und Analgetika in Halsschmerzentabletten. In: Deutsche Apotheker Zeitung, 153. Jahrgang, Heft Nr. 51, S. 50-53, 19.12.13
 
DEGAM-Leitlinie Nr. 14 Halsschmerzen (Stand Oktober 2009)